LIE-Triesenberg/Eschen. 21.07.2017. Die Bürger der Gemeinde Eschen haben ein Auge auf das, was sie historisch und gegenwärtig ausmacht. So hat es sich die Gemeinde etwas kosten lassen, um ein Fragment eines überlieferten Verkehrs- und Siedlungsweges in nachhaltiger und

traditioneller Manier zu errichten.

Die hochbetagte Widagass ist eine ruhige, voller schöner Bilder und mit Vogelgezwitscher gesegnete Hohlgasse, die rechts und links mit Buchen, Nadelbäumen und vielerlei Büschen bestückt ist. Die Geschichte schreibt, dass es sich um einen einstigen Salzweg handelt, von denen es viele nicht nur im europäischen Raum gibt, doch wenige vollends erhalten sind.


Fernsehkamera in der Widagass
Am Donnerstag, d. 20. Juli 2017, allerdings ist es überhaupt nicht beschaulich in der Gass. TV, Reporter mit Notizblöcken, Gäste, Bürger sowie der Gemeindevorsteher Günther Kranz mit Kollegen gehen gemeinsam an den schweren Baumaschinen, Containern mit Feldgesteinen vorbei, um sich dort zu versammeln, wo an einem Baum ein Poster mit vielen kleinen Bildern und Bildunterschriften hängt. Oberdrüber steht: Trockenmauer Widagass Eschen. Ausgeführt durch Lernende des Baumeisterverbandes Liechtenstein mit den Ausbildner Fabio Leoni 2015 und 2016 und Urs Lüthi 2017.
Erwartet werden sie von einem Dutzend junger Männer, nicht mit Schlips und weissem Hemd, sondern in schützender Maurerkleidung und schweren Schuhen, die anzeigen, wie angekommen sie in ihrem künftigen Beruf sind.
Es sind Lucas Lampert, Florian Degen, Tobias Zimmermann, Jan Bühler, Tobias Kirschbaumer, Hannes Gämperli, Pascal Raschte, Robin Hauck, Mark Risch, Marc Christen, Andreas Gantner, Niklas Schädler, Hannes Sele und Manuel Junior.


Römer, Rückblick und tip – top ist`s
Auf dem Poster wird übersichtlich dargestellt, wie alles begann mit dem beherzten und wohlüberlegten Beschluss, die Errichtung einer Trockenmauer in Angriff zu nehmen, um nicht nur den Bestand des Weges für weitere Generationen zu sichern, sondern auch um Tieren und Pflanzen urbane Lebensräume anzubieten.
Und so schloss sich dann auch der Kreislauf, dass es gerade Lehrlinge des Bauhandwerks waren, die unter Begleitung von Jonny Sele, Urs Lüthi und Urs Kranz die Trockenmauer zu ihrem Projekt machten.
Umdenken war für die Lehrlinge angesagt, von der Theorie in die Praxis; und die Erstellung einer Trockenmauer steht nicht unbedingt im offiziellen Lehrplan.
Wer vor Ort war, konnte sich überzeugen, wie tip top die stattliche Mauer steht, deren Statik durch das Gewicht der Füllsteine gesichert ist. Nichts neues, über 2000 Jahre altes römisches Bauwissen. So kamen die Trockenmauern nach Mitteleuropa, nutzten und zierten zugleich Höfe, Gärten, Friedhöfe und stützten Ackerwege und Hänge ab. Die Lehrlinge können jetzt ein Lied davon singen.


Mehr als eine Trockenmauer
„Nichts weiter“ als die Stein-Kolosse aus dem Bruch, incl. technisches Hilfswerk wie der Bagger und halt Empathie und Ehrgeiz seitens des Teams und ihrer fachlichen Begleiter brachten das vom Baumeisterverband vorangetriebene Projekt an diesem Julitag des Jahres 2017 zum erfolgreichen Abschluss.
Doch wie sich die Trockenmauer so der bemessenen Neigung prägend und behäbig hinaufschlängelt, ist sie auch eine ästhetische Augenweide und fügt sich brillant in ihre bemessene Umgebung ein. Kaum vorzustellen, wie sie den Weg schmücken wird, wenn sie bewachsen ist und bewohnt wird? Pflanzen werden die physischen Eigenschaften der Steine prüfen und sich ansiedeln, werden das sicher abfliessende Wasser nutzen. Vielleicht wird der Weisse Mauerpfeffer Wurzeln schlagen oder der Wurmfarn? Eidechsen, Weichtiere und Artgenossen sitzen gar schon in Wartestellung?


Jonny Sele sagt als glücklicher Beteiligter: Wir werden sehen, was die Trockenmauer uns ausser Sicherheit für den Weg in den nächsten Jahrzehnten zeigen wird. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt hat sie schon viel, sehr viel gebracht, denn es war ein Prozess, eine Entwicklung aller, die da mitgemacht haben. Bewusstsein, Planung, Material, Ausführung und die Initiative sind beispielgebend. Man arbeitet auf einer Ebene zusammen, schätzt Kollegen und Mitstreiter, unterstützt die jungen Handwerker von Morgen und so kann ich beherzt sagen: Es hat einfach rundum Spass gemacht und wir freuen uns sehr auf die nächste Trockenmauer & Co., denn da wo es der Natur gut geht, geht es auch dem Menschen gut.“
www.jonnyseleag.li
www.eschen.li
Bild: Die Mauer steht und das Foto auch.
(Foto: DirectDyk)

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